Das Europaparlament stand gestern ganz im Zeichen des 100. Internationalen Frauentags: 3 klare Resolutionen (über gleiche Rechte von Frauen und Männern, über Frauenarmut und über Gesundheit), ein Festakt im Plenum (bei dem doch wieder die obersten EU-Herren Buzek und Barroso mehr Redezeit, nämlich je 5 Minuten, hatten als die Frauen der Fraktionen (je 1 Minute), die nach ihnen das Wort ergriffen), Rosen und Märzenbecher für die Frauen, und diverse Aktionen und Debatten im weitläufigen Straßburger Plenargebäude.
Viel Aufmerksamkeit hat's gebracht, viele große Worte gesagt, zahlreiche gute Beschlüsse und Initiativen, viele Medienberichte: etwa die Forderung nach verbindlichen Quoten in Politik und Wirtschaft, nach - endlich! - einem Ende der Lohn- und Gehaltsdiskriminierung, nach Zugang zu Empfängnisverhütung und sicherer Abtreibung (ein Meilenstein im konservativ dominierten Europaparlament), und nach einem Ende der doppelten Diskriminierung von Migrantinnen oder Lesben. Und in zahlreichen Reden wurde die Würdigung und Einbeziehung der Frauen in die nach-revolutionäre Phase in Ägypten und Tunesien (und hoffentlich bald in Libyen) gefordert (mir wurde meine eine Minute Redezeit leider zu kurz dafür!)
Schön und gut, aber was jetzt?
Große Worte, viel Rummel, einige erfreuliche Beschlüsse - doch wenig davon ist verbindlich. Ehrlich gesagt, nach fast dreißig(!) Jahren, die ich selbst feministisch engagiert bin, bin ich es oft müde, dieselben Versprechungen zu hören - und aus Erfahrung zu wissen, dass nur ein Bruchteil umgesetzt wird.
Es müßte jeden Tag Frauentag sein - solange, bis es alle, die sich jetzt gegen gleiche Rechte und gegen Quoten aussprechen, satt haben, täglich mit den Diskriminierungsvorwürfen konfrontiert zu werden und eine Kehrtwende machen zu Halbe-Halbe.
Da das aber unrealistisch ist (und wohl auch das öffentliche Interesse bald nicht mehr da wäre) bleibt auch mir nur, zu wissen, dass der Kampf der Frauen (und es ist ein täglicher Kampf) um gleiche Rechte, um mindestens 50% Anteil an Macht, Geld, Vermögen weiter gehen wird. Und ich bin zuversichtlich, dass bis zum Internationalen Frauentag 2012 zumindest im Bereich der Quoten es Fortschritt gibt - auch einige konservative MEPs haben sich gestern dazu bekannt, dass sie ihre Meinung dazu in den letzten Jahren geändert haben und die Notwendigkeit einsehen.
Also dann: auf zum Frauentag 2012 - und hoffentlich können diesen dann die Frauen Nordafrikas in demokratischen Ländern und Gesellschaften feiern, die ihre Diktatoren-Vergangenheit abgelehnt haben und dabei sind, sie aufzuarbeiten und die Schuldigen vor Gericht zu stellen.