Der Begriff der Mildtätigkeit stammt noch aus einer Zeit, als BürgerInnen-Kritik an den Regierenden von diesen als unerhörte Einmischung in ihre "inneren Angelegenheiten" betrachtet wurde. Die einzig als legitim angesehene Form staatsbürgerlichen Engagements war das karitative Helfen von unschuldig in Not geratenen Menschen; Mildtätigkeit also, welche im kirchlichen wie im säkularen Bereich gefahrlos für die Machthabenden ausgeübt werden konnte - und kann. Dieses Prinzip haben Finanzminister Pröll und Co. bei der Auswahl der gemeinnützigen Organisationen, deren SpenderInnen ihre Beiträge nun absetzen dürfen, zur Leitlinie gemacht. Keine Frage: ich schätze die Arbeit von Caritas, Volkshilfe und vielen anderen, die auf der Liste stehen. Und einige ihrer VertreterInnen äußFern sich ja zum Glück oft - etwa in Fragen von Asyl und Migration - kritisch zu Regierungsvorhaben. Aber der Ausschluß von so wichtigen Organisationen wie amnesty international, Global 2000, Greenpeace oder Vier Pfoten - die alle nicht nur helfen sondern auch verändern wollen - kann nur als Angst der SPÖ-ÖVP-Regierung vor kritischen Geistern verstanden werden. Das Gesetz mit seiner Kategorie der "Mildtätigkeit" gehört schleunigst geändert und den Realitäten des auch in Menschenrechts- und Umwelt-Fragen globalisierten 21. Jahrhunderts angepasst. Sonst bleibt es eine Farce und eine Missachtung des ehrenamtlichen Engagements Tausender vor allem junger Menschen.

