Auch wenn Bioethanol nicht direkt aus Brotgetreide hergestellt wird, wie der deutsche CDU-Entwicklungsminister Dirk Niebel die Zumischung zum Treibstoff verteidigt, so muss wohl ihm genauso wie dem österreichischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Berlakovich klar sein, dass Land genutzt wird und Geld in den Anbau von Sprit-Pflanzen fliesst anstatt in die Produktion von Brotgetreide.
Ein plakatives und gleichzeitig abstossendes Beispiel sah ich im letzten Sommer bei meinem Besuch in Peru: Entlang der Panamericana, am nördlichen Stadtrand von Chiclayo im Norden des Landes, erstrecken sich kilometerweit Zuckerrohrfelder in der Wüste. Auf grossen Schildern steht u.a. geschrieben: "Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet". Meine Nachfragen ergeben, dass hier einer der reichsten Männer des Landes ein riesiges Geschäft roch, mehrere Hektar des billigen Wüstenlandes aufkaufte, in Bewässerung aus dem nahegelegenen Fluss investierte - und jetzt Zuckerrohr für Bioethanol produziert. Wieso er um seine Millionen nicht Wüste in Agrarland verwandelt, um für 'zum menschlichen Verzehr geeignete Pflanzen' zu produzieren? Einfache Antwort: Es brächte lange nicht so viel Gewinn..
So ist das eben im modernen Kapitalismus: Die einen spekulieren an den Börsen mit Nahrungsmitteln, die andern machen Wüste urbar für Spritproduktion. Braucht es tatsächlich noch mehr Argumente für ein Verbot der Nahrungsmittelspekulation und einen Stopp des Beimischens von Bioethanol, Herr Niebel und Herr Berlakovich? Wenn der österreichische Umwelt- und Landwirtschaftsminister darauf besteht, dass in Österreich ab Herbst E10 beigemischt wird, dann sollte er nie wieder über 'den Hunger in der Welt' klagen.


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