Mit diesem Rat f�r die von Dany Cohn-Bendit im heutigen Standard-Interview angesprochene 'europ�ische Eierspeis', die nicht mehr in die urspr�nglichen Eier zur�ckgef�hrt werden kann, lie� der griechische Ex-Au�enminister Dimitri Droutsas (1.v.l.) zu Beginn der heutigen Europadebatte unter Leitung von Standard-Chefredakteurin Alexandra F�derl-Schmidt (Mitte) auf der B�hne des Burgtheaters aufhorchen. Droutsas, jetzt mein Kollege im Europaparlament, war sich mit Cohn-Bendit (2.v.r.) und auch dem fr�heren deutschen Finanzminister Per Steinbr�ck (1.v.r.) einig: Die Macht der Regierungen der Mitgliedstaaten auf europ�ischer Ebene muss ein Ende finden, die Eier also zerbrochen und zu einer europ�ischen Speise - bei uns Eierspeis, in Deutschland R�hrei genannt - wir brauchen eine europ�ische Regierung. Binnenmarkt und W�hrungsunion sind nicht genug: Die heutigen Probleme - auch die Schuldenkrise - sind auf nationaler Ebene nicht mehr zu l�sen. Und, so Cohn-Bendit, die Zerschlagung der EU w�re das Ende des Wohlstands in Deutschland, �sterreich und anderswo.
Die Noch-Premierministerin (2.v.l.) der Slowakei, Iveta Radicova, warnte davor, die Bev�lkerung nicht einzubeziehen und soziale Unruhen zu riskieren; und sie verteidigte - von den anderen auf der B�hne kritisch be�ugt - die Entscheidung der Slowakei, beim ersten europ�ischen Schutzschirm f�r Griechenland nicht mitzumachen. Und sie kritisierte, dass die Europ�ische Zentralbank schon jetzt de facto Staatsanleihen aufkauft und damit Mitgliedstaaten unterst�tzt. Cohn-Bendit pl�dierte f�r �kologische und soziale Investitionsprogramme parallel zm Fiskalpakt, weil wie sollen die schw�cheren Staaten ansonsten ihre Schulden und die hohen Zinsen begleichen, wenn ihre Wirtschaften nicht wieder angekurbelt werden?
Fazit: Das Burgtheater ist eine gute B�hne f�r das Zubereiten gut schmeckender europ�ischer Mahlzeiten!
Leider sind die beiden rhetorischen Schlachtschiffe Cohn-Bendit und Steinbrück für meinen Geschmack zu wenig zu Wort gekommen. Die mit viel Pathos vorgetragenen Gemeinplätze von Radicova ("i understand!!", "it's the truth!, believe me!!") dagegen verzichtbar.
Der Erkenntnisgehalt war für Podiumsdiskussionen dieser Art typisch gering. Große Fragen lassen sich nun mal nicht in 20min/Person abhandeln.
Wird, wenn ich das richtig sehe, am Do 22:25 Uhr in ORF3 wiederholt.
Kommentiert von: Jan | 22. Januar 12 um 18:19 Uhr
Durch Iveta Radičová ist klar geworden, was die Challenge ist: Eine tragfähige Mehrheit davon zu überzeugen, dass der Zusammenhalt der Union notwendig ist, auch wenn die SlowakInnen nicht Schuld sind an den Fehlern, die die Griechen gemacht haben. Es war toll, dass sie da war, ich finde, Cohn-Bendit hätte ein wenig charmanter diskutieren können (dielunacek könnte das, glaub ich). Spannend auch, dass Droutsas direkt neben ihr saß und die Frage Solidarität geben oder nicht recht unmittelbar präsent war.
Für meinen Geschmack hätten Cohn-Bendits Hinweise auf die Rückständigkeit der griechischen Energieversorgung und die irrwitzigen Militärausgaben Griechenlands mehr Beachtung verdient. Steinbrück hat das (aus Gründen der Platzhirsch-Rivalität?) völlig unberechtigt vom Tisch gewischt. Allerdings hat er andere Dinge toll rübergebracht (z.B. Solidarität als Hilfe, selbst wieder auf die Beine zu kommen).
Gratulation an die Veranstalter (insb. auch an die Moderatorin Föderl-Schmid) und das Burgtheater. Dass so viele Leute an der Diskussion interessiert waren (wie ja bei den anderen Veranstaltungen dieser Serie auch), und dass sie in diesem Rahmen stattfand, macht mich irgendwie stolz! (Gibt ja nicht soviele Anlässe)
Kommentiert von: Karl Staudinger | 23. Januar 12 um 22:12 Uhr