Die Übersetzung ins Deutsche gestaltete sich holpriger als gedacht: "Europa auf Gedeih oder Verderb" war eine Überlegung, schließlich wurde "Europa: Ganz oder gar nicht" daraus. Und darum geht es bei dieser unserer Europäischen Grünen Sommeruniversität in Frankfurt an der Oder/Slubice an der deutsch-polnischen Grenze: Europa braucht Solidarität UND Solidität, also den Zusammenhalt aber auch die Einigung und Kontrolle über gemeinsame europäische Regeln fürs Wirtschaften - also eine Wirtschaftsregierung, aber nicht ohne Stärkung der Parlamente und der Teilhabe der BürgerInnen.
An der Europäischen Universität Vedrina fand der Auftakt statt, mit spannenden Blicken auf die Europäische Welt von Norman Birnbaum, dem bekannten US-amerikanischen Politikwissenschafter, der sich wünscht, dass die USA in Zukunft von einem neu zu entwickelnden europäischen Sozialmodell lernen mögen, und dass Europa unabhängiger und eigenständiger (von den USA) agiert. Und der befindet, dass nach dem Ende des Kalten Krieges 9/11 ein willkommener Anlass für die Rüstungsindustrie war, wieder ins Geschäft zu kommen.
Und Michael Anti, chinesischer Blogger, war davon begeistert, dass er ohne Pass einfach über die Brücke von Deutschland nach Polen und wieder retour gehen konnte: Die Idee eines Landes ohne Grenzen sei für China etwas ganz Neues.
Humorvoll behandelte er die Grenzen in seinem Land: In China sei Internet ein reines Intranet; und Europa hat alles - China hat alles in Kopie (also "copycat"). Und er wies darauf hin, wie stark in China noch der Opfermythos verankert sei: jegliche Kritik, etwa an der Menschenrechtslage. werde mit dem Verweis auf Invasionen vor 100 bis 150 Jahren, etwa auf den Opiumkrieg, abgewürgt. Er verlangte von uns EuropäerInnen, der chinesischen Bevölkerung mehr Informationen bereitzustellen, auf Englisch und Chinesisch - denn die, die es gibt, gibt's nur an der EU-Botschaft. Nur kommst du dort ganz schwer hinein, beschrieb er das Dilemma.

