Die kroatische TV-Journalistin, die mich während der gestrigen Wiener Regenbogenparade zu den gewaltsamen Vorfällen beim Pride am letzten Wochenende in Split interviewte, war ganz verwundert, dass sie in Wien fast keine Polizei - und wenn dann ohne Anti-Riot-Ausrüstung - rund um die Parade sah. Ich erklärte ihr, dass das von Anfang an (1996) so war, ich weiß das aus eigenem Dabei-Sein! Und es war gestern - bis kurz vor Beginn des Vienna-Pride-Festes auf dem Rathausplatz der große Regen kam und die meisten Leute sich unter sichere Dächer oder nach Hause verabschiedeten - wieder ein toller, fröhlicher, witziger Umzug, mit viel Musik zum Tanzen, kreativ-bissig-satirischen Kostümen und Aufschriften, oder bunten Familienbildern mit kleinen und großen Kindern, und der Botschaft "Show your face" und bei uns Grünen andersrum "It's human rights, stupid'!" Großartig auch der erste Wagen der Lesben und unterstützenden Heteras, die damit den 100. Internationalen Frauentag feierten.
Szenenwechsel: In Split war die Polizei vorige Woche nicht vorbereitet gewesen auf die massiven Angriffe der steinewerfenden nationalistisch-homophoben Hooligans, die sich Lesben, Schwule und TransGender als Sündenböcke für alles, wogegen sie sind (inklusive EU) auserkoren haben. In Zagreb (wo ich selbst vor drei Jahren mit dabei war, als wir, links und rechts im Spalier begleitet von Polizei in voller Montur, durch die engen Straßen gingen) wurden gestern zahlreiche faschistoide Hooligans verhaftet, den an die 4.000 ParadenteilnehmerInnen konnten sie jedoch nichts anhaben. Zumindest nicht zwischen Beginn und Endes des Pride. Danach gab es leider, so wie in Belgrad vergangenes Jahr, gestern in Budapest Übergriffe auf TeilnehmerInnen: mehrere ÖsterreicherInnen, die mit rund 50 Leuten die Budapester Parade unterstützt hatten, von Rechtsextremen tätlich angegriffen.
Das Nicht-Benennen der "sexuellen Orientierung" als Diskriminierungsgrund in der neuen Verfassung schafft Freiräume für Extremisten, die diese missbrauchen - und sich bei ihren Angriffen auf der sicheren Seite fühlen. Die ungarische Regierung ist nicht nur gefordert, diese Attacken politisch zu verurteilen, sondern auch z.B. eine Anti-Homophobie-Kampagne zu starten, um gegen Unwissenheit und Vorurteile in den Köpfen und Herzen der Menschen anzukämpfen. Die Extremisten sind damit wahrscheinlich nicht aus der Welt zu schaffen, aber der Zulauf zu und die öffentliche Akzeptanz der Rechtsradikalen kann verringert werden.

