Dany Cohn-Bendit hatte letzte Nacht einen Traum, meinte er zu Beginn seiner Rede bei der Debatte um den Stand der Demokratie in Ungarn: Viktor Orban sei zur Grünen Tagung gekommen um mit ihm über den Disput zu reden, denn die beiden im Europaparlament im Jänner hatten: Orban hatte Cohn-Bendit kritisiert, dass er das ungarische Volk mit seiner Kritik am Mediengesetz angreife - Dany konterte, die Kritik richte sich an die Regierung, und keine Regierung dieser Welt repräsentiere das gesamte Volk eines Landes! In der Realität der heutigen Debatte kam Orban nicht, aber Dany meinte: "Viktor, du siehst mir sicher über den Webstream zu!" Und dann richtete er seine ganze Rede an den "lieben Viktor", kritisierte das Mediengesetz - freie Medien sind das Salz der Demokratie, auch wenn dir nicht alles gefällt, was sie schreiben oder sagen, und es geht nicht um Wahrheit, sondern um breite und vielfältige Information. Und er kritisierte den Gottesbezug und die enge Familiendefinition in der Verfassung.
Andras Schiffer, Klubobmann der ungarischen Grünpartei LMP, (im Bild neben dem früheren OSZE-Medienbeauftragten Miklos Haraszti und Co-Fraktionsvorsitzendem Daniel Cohn-Bendit), machte bei seinen Eröffnungsworten beim 14. Kongress der Europäischen Grünen heute in Budapest einen dramatischen Appell an die UngarInnen: "Wir müssen uns von der Diktatur der Mehrheit befreien, denn die ist der Tod der Freiheit!"
An Dramatik nicht nach stand ihm Miklos Haraszti, der von einer "Demokratur" in Ungarn sprach, von einer Verfassung, die die Freiheit einschränkt. Und dass diese von der mit Zweidrittelmehrheit ausgestatteten Regierungspartei Fidesz eher das Programm einer Partei ist als die Verfassung für ein ganzes Land und seine Bevölkerung. Und er ging auf Orbans Rede vom 15. März ein, als Orban sinngemäß gemeint hatte, er wolle Ungarn weder von Moskau noch von Brüssel diktiert sehen:
"Brüssel ist nicht Moskau! Wir sind nicht unter Besatzung! Unter Moskau waren wir unter der Fuchtel, aber an Brüssel sind wir beteiligt, da gehören wir dazu!"
Dany verabschiedete sich von Viktor in seiner Rede an ihn mit den Worten: "Lieber Viktor, besinne dich! Besinne dich auf grundlegende liberale Positionen - und dann können wir gemeinsam Ungarn und Europa verbessern!"
Vielleicht läßt sich Viktor ja wirklich von Dany beeindrucken?!
Den AnhängerInnen von LMP (und hoffentlich auch jene, die von LMP bisher noch nicht so begeistert waren!) gefiel sicherlich Danys etwas umgewandelter jüdischer Witz: Du hast 2 Optionen, für welche entscheidest du dich? für die dritte! Zwischen Fidesz und dem Kommunismus gibt es eine dritte Option, nämlich LMP ;-)

