Schwer vorstellbar, dass es ihre scharfen und treffenden Kommentare zur Situation von Frauen in Österreich, immer dann, wenn sie die eh zu schwach ausgeprägte ökonomische und sexuelle Autonomie von Frauen gefährdet sah, nicht mehr geben wird. Schwer auszuhalten, dass eine wie sie so früh - 71 ist heute kein Alter - aus dem Leben scheidet und eine Lücke hinterläßt, die so schnell keine wird füllen können. Schwer vorstellbar, dass es keine Feier zu ihrem 75er geben wird, bei der auch jüngere Frauen als ich, die Johannas Zeit in der Regierung nicht selbst erlebt haben, mit ihr und vielen anderen ihre Errungenschaften feiern werden.
Ich habe Johanna Dohnal vor rund 25 Jahren kennengelernt, als ich im Verein Frauensolidarität (den sie mitbegründet hatte) nach dem Akademikerinnentraining im Rahmen der "Aktion 8000" beschäftigt war und sie nach der UNO-Frauenkonferenz in Nairobi eine interministerielle Arbeitsgruppe "Frauen und Entwicklung" ins Leben rief, zu der auch NGOs eingeladen waren. Das Verhältnis zwischen ihr und der autonomen Frauenbewegung, der auch ich angehör(t)e, war oftmals ein angespanntes. Wir wollten, dass sie noch viel mehr unserer Forderungen durchsetzte, noch viel offensiver gegen Gewalt gegen Frauen oder gegen die Lohnschere vorgehen sollte und noch mehr Geld für feministische Frauenprojekte zur Verfügung stellte - und verkannten manchmal, dass sie schon in der Regierung und in ihrer eigenen Partei massive Grabenkämpfe gewinnen mußte, um dann auch politische Erfolge feiern zu können. Und die Lesben unter uns hätten so gerne gehabt, dass sie ihr eigenes lesbisches Leben und Lieben nicht verheimlichte. Doch das war nicht möglich. In Gesprächen mt ihr in den letzten Jahren verstand ich, dass dieser Wunsch damals unerfüllbar war. Sonst hätte sie es mit ihren feministischen Forderungen noch schwerer gehabt - und einige wären nicht durchgegangen, denn: "na kein Wunder dass sich eine Lesbe für Frauen einsetzt", wäre da wohl der übliche Gedankengang in den Gehirnen vieler ihrer Kontrahenten gewesen und hätte es ihr noch schwerer gemacht.
Schön, dass sie und ihre langjährige Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter sich noch "verpartnern" und ihren jahrzehntelangen Bund fürs Leben somit auch öffentlich und rechtlich bekräftigen konnten. Ich wünsche Annemarie sowie Johannas Tochter und ihren Enkeln viel Kraft in dieser Zeit des Abschiednehmens. Möge sie das Wissen stärken, dass Johanna die Pionierin der politischen Umsetzung der Forderungen der feministischen Faruenbewegung auf Regierungsebene war, und dass ohne sie und ihren jahrzehntelangen Kampf die Erneuerung der Rollenbeschreibung von Frauen in Österreich - weg vom abhängigen Frau-und-Mutter-Modell der 50er und 60er Jahre hin zur ökonomisch und sexuell selbstbestimmten Frau - nicht geschehen wäre. Danke, Johanna.
Dass dieses Ziel noch lange nicht erreicht ist und es zum Teil auch Rückschritte gibt, lag und liegt nicht an Johanna Dohnal.


Sie war eine der letzten großem Feministinnen in Österreich
Kommentiert von: Eva | 21. Februar 10 um 22:31 Uhr
Sie hinterläßt eine große Lücke. Möge diese Lücke täglich größer werden.
Kommentiert von: Syilvia | 22. Februar 10 um 16:49 Uhr
Erst wer Johanna Dohnahl einmal persönlich erleben durfte, kann verstehen, welche herausragende Frau sie war. Doch dabei soll es nicht bleiben, es liegt an uns Frauen, heterosexuell und lesbisch ihr Gedankengut, privat und öffentlich, weiter zu tragen, auch wenn die Zeichen der Zeit nicht danach stehen.
Kommentiert von: Veronika Rechberger | 28. Mai 10 um 21:04 Uhr