Es häufen sich Berichte über mangelnde Koordination der Hilfsleistungen in Haiti, zuviel Militär und zu wenig zivile Kräfte, die koordinieren können und dazu beauftragt bzw. legitimiert sind. Nach dem Tsunami 2004 hatte der derzeitige Europa-Abgeordnete und frühere EU-Regional- sowie künftige Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier als Sonderberater Barrosos eine europäische zivile Schutzeinheit, "Europe Aid", vorgeschlagen: Der Preis eines "Non-Europe"- also des unkoordinierten individuellen und nationalen Handelns (so wichtig dieses ist) - sei zu hoch, konstatierte er.
Und was ist passiert? Nichts. EuropeAid gibt es immer noch nur am Papier. Barnier hatte auch einen Zivilen Sicherheitsrat im Rahmen der EU vorgeschlagen, und ein "One-Stop-Shop" als Anlaufstelle für humanitäre Hilfe der EU. Lauter gute Ideen - und bei der jetzigen Tragödie kommt man drauf: Alles nur Papier. Nicht umgesetzt. Es wird eine der größten Herausforderungen für die "EU-Außenministerin" Catherine Ashton sein, "EuropeAid" endlich umzusetzen.
Denn so beschämend wie jetzt, das darf nicht wieder passieren - etwa wenn mühsam Polizeikräfte zusammengesucht werden aus den Mitgliedstaaten. Österreich müsse sich laut AM Spindelegger erst die Details ansehen bevor über die Teilnahme entschieden werde...
Oder ein von der UNO koordiniertes Einsatzzentrum mit erfahrenem Personal: auch diese spätestens seit dem Tsunami erkannte Notwendigkeit blieb unerfüllt.
Aber wenigstens hat sich die Regierung des reichen Österreich, sonst schon mehr als knausrig bei der Entwicklungszusammenarbeit, entschieden, die mickrigen bisher staatlich gewidmeten 800.000 Euro um 2 Mio. aufzustocken - nachdem die österreichische Bevölkerung in den letzten Tagen schon viel mehr gespendet hatte.


Das wär ja auch ein bisschen peinlich geworden für die österreichische Regierung. Das Problem ist, dass nach solchen Tragödien, wie in Haiti oder Thailand, viel zu viel geredet wird. Jeder spricht den Betroffenen seine Hilfe zu und verspricht, dass es nicht noch einmal zu sowas kommt, bzw. dass man dann darauf vorbereitet sein wird. Und was passiert?
Garnichts. Danach konzentriert sich jeder wieder auf seine eigenen Geschäfte. Passiert dann wieder etwas, sind alle erschrocken und haben damit "garnicht gerechnet".
Den Leuten, die sich wirklich engagieren (und das nicht erst seit Haiti), gebührt mein größter Respekt. Und nicht denjenigen, die das Alles als gute Publicity mitnehmen...
Kommentiert von: Flüge USA | 27. Januar 10 um 10:30 Uhr