Diese Aussage habe ich in den letzten Tagen von vielen Seiten gehört.Nicht nur von all jenen, die maßlos enttäuscht und verärgert sind über das Ergebnis des Kopenhagener Klimagipfels: alles im Konjunktiv, keine Verbindlichkeiten, viel zu wenig Geld - sie wollen die Dringlichkeit einfach nicht kapieren! Und Leute wie Arnold Schwarzenegger sind sogar noch stolz darauf dass sie sich gegen verbindliche Ziele und fixe Vereinbarungen zur Wehr setzen - so als ob Freiwilligkeit bei Einschränkungen je zum Ziel führte (s. Finanzkrise).
Mindestens genauso brisant ist mir der Ausruf "Wir haben den Luxus der Zeit nicht mehr" in den letzten beiden Tagen im Kosovo entgegengeschallt: vor allem junge Leute - und egal ob sie albanische oder serbische KosovarInnen sind - sehen ihre Zukunftschancen und die ihres Landes knapp zwei Jahre nach der Unabhängigkeit gefährdet, wenn es nicht rasch zu Änderungen kommt: Visafreiheit, Investitionen in nachhaltige Arbeitsplätze, ernsthafte Bekämpfung der Korruption in den Führungsebenen von Politik und Wirtschaft - und eine EULEX-Mission, die gerade was den Kampf gegen Korruption betrifft härter und klarer auftreten muss, um die kosovarische Polizei zu unterstützen.
Der Enthusiasmus der Unabhängigkeit und der Wille, den neuen jungen Staat aufzubauen, ist noch spürbar - wenn jedoch nicht bald der Visa-Dialog von Seiten der EU aufgenommen wird, ein Wirtschaftsaufschwung und Erfolge im Antikorruptionskampf zu merken sind, wird's schwieriger werden für jene jungen Frauen und Männer der Zivilgesellschaft, die ihr Land in Richtung europäischer Standards und in die EU führen wollen: denn dann wird der Frust über die enttäuschten Erwartungen zunehmen und werden Veränderungen schwieriger. Und das haben sie sich nicht verdient.
Deshalb wird mein Engagement zu Beginn des neuen Jahres sich vor allem in Richtung der Europäischen Kommission und des künftigen Erweiterungskommissars Stefan Füle richten: Eine meiner Fragen an ihn beim Hearing am 12.1. wird die nach einem alsbaldigen Datum für die Aufnahme des Visa-Dialoges sein. Außerdem braucht's für die Zeit bis zur Visaliberalisierung verstärkten Jugendaustausch, für albanische und serbische KosovarInnen. Auch hier plane ich konkrete Schritte zu forcieren.
2010 muss real spürbare Fortschritte für die Bevölkerung Kosovas/Kosovos bringen. Denn wie gesagt: den Luxus der Zeit gibt es nicht mehr.


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