Es war ein Vergnügen heute im Plenum des Europaparlamentes Vaclav Havel zuzuhören: tschechischer Schriftsteller, Dissident, politischer Gefangener - und nach dem Mauerfall vor 20 Jahren und der samtenen Revolution erster frei gewählter Präsident der (damaligen) Tschechoslowakei. Sein Plädoyer zur Abkehr von der Idee des ständigen Wachstums, von der "kopflosen Plünderung" des Planeten fanden genauso hohe Zustimmung wie sein Engagement für die Verlagerung der legislativen Rechte vom Rat zum Europaparlament - und vor allem der folgende Satz stieß auf Applaus: "Die Kommission muss mit den Besten besetzt werden, und nicht unbedingt mit Landsleuten oder Parteifreunden!"
Auch in der darauffolgenden Debatte um die Zusammensetzung der künftigen Kommission sowie die Person des/der künftigen RatspräsidentIn kam von allen Seiten Kritik an der "Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners" - und daran dass Barroso bisher erst drei Frauen als Kommissionsmitglieder von den Mitgliedsstaaten genannt bekommen hat.
Mein aktueller Tipp in der Gerüchteküche rund um RatspräsidentIn und Hohe/n VertreterIn für Außen- und Sicherheitspolitik: Die frühere lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga als Ratspräsidentin und - realistisch betrachtet - wird dann der "Außenminister" aus einem großen Land kommen - also doch Miliband (oder Mandelson?), oder D'Alema. Keine Frage dass auch Alfred Gusenbauer gut geeignet wäre - doch das würde das mehr als labile Koalitionsgleichgewicht zwischen Faymann und Pröll wohl allzu sehr in Gefahr bringen. Also wird's doch der kleinste gemeinsame Nenner für Europa werden, und nicht der oder die beste... Armes Europa, das immer noch von den engen innen- und parteipolitischen Interessen der Mitgliedsländer getrieben wird!


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