Was sich da derzeit zwischen Slowakei und Ungarn abspielt klingt wie aus einem absurden Film über längst vergessen geglaubte Zeiten: Da beschließt das slowakische Parlament zuerst ein Gesetz, das der großen ungarischen Minderheit vorschreibt, im öffentlichen Raum immer zuerst und vorrangig auf Slowakisch zu kommunizieren - bis hin zu Speisekarten in kleinen Gasthäusern und öffentlichen Ansprachen.
Und dann der Vorfall von gestern: Der slowakische Staatspräsident Gasparovic bezeichnet seinen ungarischen Amtskollegen Solyom als unerwünscht, die Regierung in Bratislava verbietet ihm sogar die Einreise zur Einweihung einer Statue des ungarischen Nationalheiligen im mehrheitlich von ethnischen UngarInnen bewohnten Komarno. Nicht nur wegen des heiligen Stefan, sondern ebenso weil es der 41. Jahrestag des Einmarsches der Warschauer Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei ist, an dem auch Ungarn teilnahmen.
Und das alles im Jahr 2009, fünf Jahre nachdem beide Staaten Mitglieder der Europäischen Union wurden, und eineinhalb Jahre nach Aufhebung der Schengen-Grenzen!
Leider stammt dieses verrückte Aufleben ethnisch-nationalistischer Konflikte nicht aus irgendeinem Film, sondern ist absurder Teil europäischer Wirklichkeit.
Die schwedische Ratspräsidentschaft sollte die Staatspräsidenten und Regierungschefs beider Länder zu einem klärenden und mahnenden Tete-a-Tete auffordern. Aktionen wie das slowakische Sprachengesetz und die Verweigerung der Einreise für den ungarischen Staatspräsidenten haben im vereinigten Europa nichts verloren. Genausowenig aber eine ungarische Garde und Neo-Nazis, die mit faschistischen Sprüchen Gewalt gegen alle vermeintlichen Nicht-Ungarn und andere Minderheiten androhen und ausüben - seien es nun Roma und Romni, Slawen, JüdInnen oder Lesben und Schwule.
Die EU darf sich aus diesem Konflikt nicht heraushalten: es geht um die europäische Dimension und die vielgerühmten europäischen Werte, wenn Menschen auf Grund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ihr Recht auf die eigene Sprache oder gar auf Reisefreiheit verwehrt wird.


Ich bin einverstanden mit dem letzten Absatz. Was schert uns Ungarn und Slowakei, denkt ein(e) EU-BürgerIn in Slowenien. Europäische Bewußtsein ist leider (noch immer) sehr schwach.
Ich sage ''leider'', weil europäische Bewußtsein unsere Perzeption Menschenrechten klarer und entwickelt machen könnte. SlowenInnen und ÖsterreicherInnen könnten als ziemlich neutral (aber nicht gleichgültig) mit europäische Bewußtsein im ungarisch-slowakischen Beispiel etwas lernen und ihre Konflikte lösen. Aber Leute offenbar perzipieren solche Konflikten als Aussprache, Beweise, dass sie, die auch Konflikte haben, daher normale EuropäerInnen sind.
Solches Nachdenken wäre vielleicht unmöglich ohne absolut keine europäische Bewußtsein. Daher frage ich mich, ob diese Ära die Nationalismusen nur erste Phase Prozeßes, der europäische Vereinigung nennt, ist.
PS: Eintschuldigung für mein schlechtes Deutsch.
Kommentiert von: Domen | 23. August 09 um 00:00 Uhr