Gerade in Kärnten auf Urlaub. Mehrere Ausflüge zu FreundInnen in Südkärnten, die seit Jahrzehnten auf die zweisprachigen Ortstafeln in Orten wie Bleiburg warten - und die über die Jahre zusehen mußten wie immer weniger v.a. junge Menschen gut und gerne Slowenisch reden.
Gerade hier geht mir die mehr als verharmlosende Aussage der Justizministerin, die Einstellung des Strafverfahrens gegen LH Dörfler sei "mangels Schädigungsvorsatzes" korrekt gewesen, "an die Nieren". Ärger, Wut und Zorn über die Ahnungslosigkeit, die aus dieser Aussage spricht. Kein Schaden entstanden? Er hatte ja nix Böses wollen? Mögen JuristInnen drüber streiten, ob das nicht vorhandene subjektive Recht auf zweisprachige Ortstafeln eine derartige Einstellung rechtfertigt: Politisch ist der ständig schwelende ungelöste Dauerkonflikt schlicht und einfach eine Katastrophe. Und macht Österreichs SlowenInnen zu Menschen zweiter Klasse. Immer noch und täglich aufs Neue.
Wie kann sich heutzutage - 5 Jahre nachdem Slowenien EU-Mitglied wurde und auch die Deutschkärntner gerne (gut zahlende) Gäste aus Slowenien als Touristen begrüßen - noch irgendwer vor zweisprachigen Ortstafeln fürchten? Sogar der so (rechts)liberal wirken wollende BZÖ-Chef Bucher steht bei diesem Thema dort wo sein BZÖ herkommt: Nein, nein und nochmals nein. Nix von wegen Neuorientierung. Da würden ihm die Scheuchs und Dörflingers in Haiders Erbe die Gefolgschaft aufkündigen...
Und Bundeskanzler Faymann steckt den Kopf in den Sand und hofft dass ihn niemand sieht und niemand nix will von ihm.
Das nenn ich mir eine Regierung: Heikle Themen packen wir gar nicht erst an. Wir sitzen sie aus, so wie schon alle vorhergehenden Regierungen. Was schert uns die EU, die schon seit langem fordert dass in Schulen zwei und nicht nur eine Fremdsprache unterrichtet wird. Was schert uns der Staatsvertrag und ein VfGH-Urteil? Was schert uns eine Klagenfurter Staatsanwaltschaft die mit abstrusen Begründungen Verfahren einstellt? Wir leben in Österreich, und wir haben uns schon immer "irgendwie durchgeschummelt" - EU und Minderheitenrechte hin oder her. Mir san mir. Amen.


Ich rate , am jährlich gefeierten Jahrestag der Volksabstimmung eine weitere Feier mit gleichem Hintergrund zu veranstalten:
In der Eröffnungsrede sich bei den slowenisch-sprachigen Bürgern und auch deren Nachfahren zu bedanken, daß sie sich mehrheitlich für den Verbleib im Wirtschaftsraum Österreich entschieden haben. Nur ihnen ist es zu verdanken, daß dieser Landesteil nicht von Österreich abgetrennt und dem neuen Staat SHS zugeschlagen wurde. Und das sie sich damals nicht entschieden haben, ihre 1300 Jahre währende volkseigene Tradition in dem Land aufzugeben, wie es vielleicht andere meinen. Infolge dieses Abstimmungsergebnisses wurde in der zweiten Zone erst garnicht abgestimmt, obwohl auch dort noch eine beachtliche Bevölkerung dem slowenischen Kulturraum zuzurechnen war.
Sicher lassen sich die noch zweisprachigen ausständigen Ortstafeln als Plakate drucken und im Veranstaltungsbereich sichtbar positionieren.
Was dort praktiziert und noch mehr was in Wien alles vernachlässigt wird ist eine Schande für Österreich.
Kommentiert von: Hirschmugl | 20. August 09 um 21:53 Uhr