Ein Regierungschef eines weltwirtschaftlich nicht mehr sehr bedeutenden Landes, der noch dazu wegen seiner Frauengeschichten und des Mißbrauchs seiner Medienmacht nicht aus den Schlagzeilen kommt - was hat Berlusconi also beim G8-Gipfel verloren, noch dazu als Gastgeber? Politische Traditionen aus dem letzten Jahrhundert sind es, die immer noch glauben machen wollen, dass die Industriestaaten ein historisches Recht darauf haben, den wirtschaftlichen und politischen Ton des 21. Jahrhunderts anzugeben. Noch dazu mit einem Gastgeber, der alle ethischen Standards verhöhnt und die Geschädigten des Erdbebens von L'Aquila für seine populistischen Zwecke missbraucht (dort regt sich nämlich schon der Unmut, dass wegen des G8-Gipfels die Wiederaufbau-Arbeiten ins Stocken geraten sind). Nichts hat Berlusconi also am G8-Gipfel verloren. Und im Gegensatz zu den österreichischen Zeitungen, die vor Beginn des Gipfels ausführlich über die Sozialenzyklika des Papstes berichteten - der Vatikan befindet sich ja schließlich mitten in Berlusconis Territorium - wagte Le Monde auf ihrer Titelseite am gestrigen Mittwoch den Blick über die Grenzen der Industriestaaten nach Brasilien. Und berichtete über Regierungschef Lulas Absage an den exklusiven Klub der Reichen und die Notwendigkeit, politische und wirtschaftliche Entscheidungen im Rahmen der G20 (also inkl. der Schwellenländer) zu treffen. Nicht genug, auch die ärmsten Länder sollten dabei sein. Und das internationale System braucht demokratische Reformen. Klug, was Lula vorschlägt. Auf jeden Fall klüger als Berlusconis G8-Spektakel im Erdbeben-Gebiet. Den G8-PolitikerInnen sei übrigens eine aufrüttelnde Erkenntnis gewünscht: Wie wär's wenn sie endlich einmal das tun - sei es gegen den Klimawandel, für die Finanztransaktionssteuer, für grüne Jobs und gegen die zunehmende Armut in allen Teilen der Welt - was ihnen ein ganzseitiges Greenpeace-Inserat in der gestrigen Financial Times empfiehlt: "Politicians talk, leaders act". An ihren Taten, nicht an ihren Worten sollen sie gemessen werden!


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