"Love of Freedom - Freedom to Love": Unter diesem Motto begann Montag vormittag die Menschenrechtskonferenz im Rahmen der 2. World Outgames (www.copenhagen2009.org) in Kopenhagen. Schon am Samstag wurden die lesbischwulen Sportweltmeisterschaften am Rathausplatz der dänischen Hauptstadt mit einer großen bunten und fröhlichen Feier eröffnet - leider gab es danach eine Attacke einiger Rechtsradikaler, die drei schwule Aktivisten verprügelten. Die Polizei griff ein und verhaftete die Täter. In der neu gebauten Konzerthalle des dänischen Rundfunks erinnerte Svend Robinson, früherer kanadischer Abgeordneter und Ko-Präsident der Outgames MR-Konferenz, 40 Jahre nach Stonewall, an die Errungenschaften der LSBT (lesbisch/schwul/bi/trans) Bewegung in allen Teilen der Welt - aber auch daran, dass in über 70(!) Ländern Homosexualität noch strafbar ist und in 5 auf gleichgeschlechtliches Lieben die Todesstrafe steht. "Es hat uns Lesben, Schwule, Bisexuelle und TransGender zu allen Zeiten in allen Teilen der Welt gegeben - lasst Euch von niemandem etwas anderes weismachen!" betonte Ko-Präsidentin Rebeca Sevilla (Peru/NL, Education International) die Bedeutung von Veranstaltungen wie dieser: denn "here we are out and proud" und die hier erlebte Freiheit zu lieben wen wir wollen stärkt uns für unsere Kämpfe zuhause, auf welchem Kontinent auch immer dieses Zuhause sein mag. Ritt Bjerregaard, frühere EU-Kommissarin und jetzt Oberbürgermeisterin von Kopenhagen, sprach von der 20jährigen Geschichte der Gleichstellung in Dänemark: 1989 war Dänemark das erste Land, das registrierte Partnerschaften ermöglichte. Der heute 95jährige Axel Axgil erklärte in bewegenden Worten, wie es war, 1948 - inspiriert von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (die uns Lesben und Schwule damals nicht einschloss) - die erste dänische Gay-Rights-Organisation zu gründen. 1989 waren er und sein (1995 verstorbener) Partner Eigil Axgil übrigens die ersten, die das neue Partnerschaftsrecht für sich in Anspruch nahmen - schon damals im hohen Alter. Berührend diesen Mann aus seinem Leben erzählen zu hören! Und dann Virginia Apuzzo, Aktivistin seit den 70er Jahren und unter Bill Clinton Beraterin des Präsidenten, die höchstrangige lesbische Frau je im Weißen Haus: "Ich komme aus einer Zeit, in der es kein Gesicht gab, dem ich Fragen stellen konnte - wenn ich die Worte dafür gehabt hätte..." berichtete sie von damals, vor Stonewall, als Selbsthass "nicht nur ein Sturm in deinem Kopf war, sondern zum Klima in deiner Seele wurde". Mittlerweile haben wir in vielen Teilen der Welt Gesetze für uns - "doch die sind erst der Anfang vom Ende von Homophobie". Denn schließlich "existiert Unsichtbares in unseren Vorstellungen nicht - und was nicht existiert hat auch keine Rechte" betonte sie die Notwendigkeit gegen die immer noch existierende Angst vorzugehen: Angst, die zu gesellschaftlicher Isolation bis zu Selbstmord führen kann. Der Spruch gilt laut Apuzzo immer noch: "We are here, we are queer, get used to us!" Dafür plädierte bei der Eröffnung auch der frühere NBA-Basketball-Spieler John Amaechi, dessen Homosexualität mittlerweile allgemein bekannt ist, der jedoch davon erzählte dass er in seiner aktiven Zeit nicht sein ganzes Potenzial ausleben konnte, denn er ahnte dass die Trainer "for people like me" keinen Platz in der NBA sehen würden. Heute trainiert er in Manchester junge Leute, und macht schon lange kein Geheimnis mehr aus seiner Homosexualität. Und er hält es für unerträglich wie schweigsam sich die großen (Fußball- wie Basketball- und andere) Sportorganisationen verhalten wenn es um die Verteidigung von Menschenrechten geht: "Selbstverständlich ist Sport politisch" fordert er mutiges Verhalten ein. Etwas was alle mehr als 1000 TeilnehmerInnen dieser Konferenz in der einen oder anderen Phase ihres Lebens schon bewiesen haben. Sonst wären sie nicht hier um Kraft zu tanken für die Zukunft.
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