Knapp 800 TeilnehmerInnen aus allen Kontinenten haben sich drei Tage lang bei der Menschenrechtskonferenz der Outgames in Kopenhagen über Rechte und Moral, Fortschritte und Backlashes, Enttäuschungen und Hoffnungen im Kampf um gleiche Rechte für Lesben, Schwule und TransGender ausgetauscht, haben Strategien entworfen und sich über neue Verbündete gefreut. Als frisch gewählte Europa-Abgeordnete war ich für viele AktivistInnen eine ideale Ansprechperson für diesen Kampf um unsere Rechte - denn um die geht es, und nicht um Moral, wie uns so viele unserer GegnerInnen immer wieder weis machen wollen. Viel Unterstützung kam von Seiten zahlreicher hochrangiger VertreterInnen der Vereinten Nationen, des Europarates sowie der EU - auch wenn sich alle darin einig waren, dass "die Bürokratien" Druck von außen brauchen. Ziel muss aber ebenso die Veränderung in den Köpfen und Herzen sein, wie die junge Aktivistin Kemone Browne aus Jamaica klarmachte. Ganz aktuell ist der Kampf gegen ein homophobes Gesetz in Uganda, das dieser Tage vom dortigen Parlament verabschiedet werden soll. Da ist - auch jetzt mitten im Sommer - Widerstand angesagt und ich werde nach meiner Rückkehr nach Österreich meine Uganda-Kontakte gegen dieses absurde Gesetz nützen. 2004 habe ich in Kampala einige AktivistInnen der damals neuen LSBT-Gruppe SMUG kennengelernt. Einige wie Victor Juliet Mukasa waren jetzt auch in Kopenhagen und hoffen auf weltweite Unterstützung. Jeder Fortschritt - wie etwa das Ende der (von den britischen Kolonisatoren eingeführten) Kriminalisierung von Homosexualität in Indien vor wenigen Wochen - bringt meist einen Backlash mit sich, analysierte das letzte große Podium am Mittwoch Nachmittag: die größere Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen provoziert Gegenreaktionen (wie in Indien die von radikalen Hindus). Doch bessere Gesetze und die größere Sichtbarkeit stärken auch die AktivistInnen und ihre Verbündeten in den Institutionen und der Zivilgesellschaft. Apropos Verbündete: Beim Workshop unter dem Titel "LGBT Party Politics, 30 Years after Nancy Wechsler and Harvey Milk", das ich organisiert hatte und am Montag nachmittag leitete, waren sich alle vier ReferentInnen einig: Lesben, Schwule, Bisexuelle und TransGender dürfen nicht nur ihr eigenes Schicksal im Auge haben. Nur mit gegenseitigem Verständnis und Unterstützung sind anhaltende Verbesserungen möglich - für alle, sei es für Menschen mit dunkler Hautfarbe, für AsylwerberInnen oder auch für Frauen. Denn das Problem sind weder die Lesben, Schwulen und TransGender noch die Frauen oder die MigrantInnen: Das Problem sind Homo- und Transphobie, Machismo und Rassismus. Und diese angstbesetzten Haltungen sind heilbar! Die sportlichen Wettkämpfe (ich selbst bin mitgeschwommen) gehen noch bis morgen weiter, und am Samstag findet dann die große Regenbogenparade in Kopenhagen statt. Beide Ereignisse - Menschenrechtskonferenz und sportliche Wettbewerbe - haben zum Empowerment und zur Stärkung von Lesben, Schwulen und TransGender auf allen Kontinenten beigetragen. Was fehlt ist die Wiedervereinigung von Gay- und Outgames: Das wünschen sich die SportlerInnen. Vielleicht gelingt es bis zu den GayGames 2010 in Köln: Auf dass es danach alle vier Jahre Weltmeisterschaften mit Menschenrechts- und Kulturprogramm gibt - und dazwischen für uns EuropäerInnen die Eurogames. Der jetzige Zustand - ein Jahr OutGames, ein Jahr GayGames und dann zweimal Eurogames - ist weder finanziell noch organisatorisch auf Dauer zu bewältigen. Ich unverbesserliche Optimistin hoffe, dass die Vernunft in Bälde die Oberhand über alte Streits und Rivalitäten gewinnt...
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