Da bahauptet die SPÖ ständig, dass sie ein sozialeres Europa will - aber dort wo sie es in der Hand hätte die Richtung zu bestimmen gibt sie das Ruder an die ÖVP. Bestes Beispiel: das nächste österreichische Mitglied der Europäischen Kommission. Das wird die ÖVP bestimmen - wir Grüne fordern übrigens ein öffentliches Hearing zu einem Dreier-Vorschlag der Regierung im Nationalrat. Die SPÖ verzichtet auf das einflussreichste von Österreich zu besetzende Amt der EU und schickt ihre profilierteste Europapolitikerin, Maria Berger, als Richterin an den Europäischen Gerichtshof. So beschlossen heute früh im Hauptausschuß. Nichts gegen Maria Berger, sie ist eine profilierte Kennerin des europäischen Rechtes. Aber die SPÖ hat ihren Anspruch auf die Gestaltung eines sozialeren Europa an der ÖVP-Tür abgegeben. SPÖ-Klubchef Josef Cap hat heute auf meine Frage warum nicht Berger als Kommissarin offenherzig zugegeben, dass es natürlich in der Regierung Absprachen gibt. Damit hat er den Tauschhandel zwischen SPÖ und ÖVP in Bezug auf KommissarIn, EuGH-RichterIn - und wohl auch ORF - freimütig bestätigt - und ebenso das Abdanken der SPÖ zum Thema "soziales Europa".

