Ein blödes Land sei Österreich, dessen Staatsbürgerin sie ist, meinte Mona S., als ihr vorgestern vor Gericht beschieden wurde, dass sie mit vollem Gesichtsschleier erneut vom gegen sie geführten Prozess ausgeschlossen werde. Es gibt vieles an Österreich, was mir nicht gefällt (wäre andernorts genauso) - doch "blöd" ist ein Land nicht, wenn es bei offziellen Stellen verlangt, dass das Gesicht von Menschen sicht- und erkennbar sein soll. Schließlich sind auch Gestik und Mimik wichtiger Teil der Ausdrucksweise eines Menschen. Religionsfreiheit ist eine Sache - sie hört dort auf, wo im Namen einer Religion (welcher auch immer) die Freiheit von Menschen eingeschränkt wird. Bei den monotheistisch-patriarchalen Religionen sind dies übrigens vorrangig die Freiheiten und Rechte der Frauen. Wie sonst ist zu erklären, dass Frauen im Namen von religiösen Vorstellungen/Vorschriften aus lange vergangenen Jahrhunderten (die immer noch allzu oft Einfluss auf Gerichtsbarkeit, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben) immer noch Männern gehorchen und Kinder gebären sollen, die sie nicht wollen; kein oder viel weniger Mitspracherecht im öffentlichen Leben haben oder eben Kleidungsvorschriften erfüllen sollen - während Männer (egal welcher Religion) sich alle angeblichen oder tatsächlichen Freiheiten modernen Lebens genehmigen? Nein, Österreich ist, so betrachtet, kein blödes Land. Auch wenn es für Frauen alles andere als paradiesische Zustände gibt (Lohnschere und gläserne Decke oder Mangel an eigenständigem Aufenthaltsrecht für verheiratete Migrantinnen seien genannt): Die Freiheit, uns in der Öfffentlichkeit ohne religiös-patriarchale Vorschriften zu bewegen, haben wir uns erkämpft - und werden sie uns nicht wieder einschränken lassen.


Super - es ist gut wenn wir überall kritisch hinsehen - und dies auch öffentlich kundtun.
Das ist der erste Schritt für ein neues Bild der Grünen
LG
Johann
Kommentiert von: Johann | 14. November 08 um 16:21 Uhr
Super - es ist gut wenn wir überall kritisch hinsehen - und dies auch öffentlich kundtun.
Das ist der erste Schritt für ein neues Bild der Grünen
LG
Johann
Kommentiert von: Johann | 14. November 08 um 16:22 Uhr
Die Religionsfreiheit hört dort auf, wo im Namen einer Religion die Freiheit von Menschen eingeschränkt wird? Gilt das auch für katholische Nonnen? Ich kann ihren Freiheitsbegriff jedenfalls nicht nachvollziehen. Ist nicht auch das Verbot "sittsamer" Kleidung eine Einschränkung der Freiheit?
Die sog. "Kleidungsvorschriften" des Islam gelten übrigens zuerst und in gleichen Worten auch für gläubige Männer: "Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen." (Koran 24:30) Es geht dabei sexuelle Treue, die ja auch dem Christentum nicht fremd ist. Ohne Zweifel steht diese Idee im krassen Widerspruch zu unserer übersexualisierten Gesellschaft, in der sogar Wasch- und Lebensmittel mit sexuellen Reizen verkauft werden.
Zu Mona's Gesichtsschleier vor Gericht möchte ich nur daran erinnern, dass noch vor wenigen Jahren die wichtigsten Belastungszeugen der sog. "Operation Spring" Prozesse mit Motorradhelm aufgetreten sind. Damals hatte der Richter offenbar nicht das Bedürfnis die Mimik der Zeugen zu erkennen.
Kommentiert von: Raphael | 15. November 08 um 18:18 Uhr
Lieber Raphael, wenn es nach den großen monotheistischen Religionen ginge (bzw. derer Interpretation durch diejenigen, die die Macht dazu haben, sie umzusetzen), hätten Frauen in der Gesellschaft gar nichts mitzureden. Diese Freiheiten, die seit Beginn der Aufklärung gefordert und erkämpft wurden, meine ich.
Und was die sexuelle Treue betrifft: Was soll die mit dem Verhüllen des Gesichtes zu tun haben? Das muss sich ein Paar doch miteinander ausmachen. Oder wenn schon: Warum verhüllen dann nicht auch die Männer ihr Gesicht?
Was die frauenfeindliche Sexualisierung in der Werbung - egal ob Waschmittel oder Autos - angeht, teile ich Ihre Meinung.
Und zur unzulässigen "Verhüllung" der Gesichter der Zeugen mit Motorradhelmen im Operation Spring-Prozess: Die haben wir Grüne massiv kritisiert!!!!
Kommentiert von: Ulrike Lunacek | 19. November 08 um 10:51 Uhr
Das Verhüllen des Gesichtes hat natürlich gar nichts mit sexueller Treue zu tun und wird auch mit keinem Wort im Koran erwähnt. Die Interpretation was unter sittsamer/anständiger/gebührlicher Kleidung zu verstehen ist, hängt natürlich auch vom soziokulturellen Umfeld ab. Die Gesellschaft der Muslime ist diesbezüglich weder homogen noch unveränderlich. Letztlich soll die Bekleidung aber helfen sexuelle Versuchungen zu verhindern. Unterschiede zwischen Mann und Frau sind diesbezüglich auch der "christlichen Gesellschaft" nicht fremd. Beispielsweise dürfen Frauen nicht in allen Schwimmbädern "oben ohne" baden.
Kommentiert von: Raphael | 19. November 08 um 22:46 Uhr