Auch in der kurzen Herminengasse im 2. Bezirk gab es ein jüdisches Bethaus, das in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört wurde. Und 1941 und 1942 wurden aus den 21 Häusern dieser Gasse 607(!) Jüdinnen und Juden deportiert, die meisten von ihnen danach in den Konzentrationslagern ermordet.
Wir Grüne haben am heutigen Abend beim neuen U-Bahn-Aufgang Herminengasse (Haltestelle U2/U4 Schottenring) zum Gedenken an die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Terror-Regimes eine provisorische Tafel enthüllt. Und gemeinsam mit Gemeinderätin Ingrid Puller (s. Fotos) habe ich die Wiener Linien in einem Offenen Brief aufgefordert, eine dauerhafte Gedenktafel anzubringen.
Die Aktion stand im Rahmen des Rundganges zum Gedenkjahr 1938/2008 statt, den die Teilorganisationen der Wiener Grünen (Grüne andersrum, Grüne MigrantInnen, Grüne Frauen, Initiative Grüner SeniorInnen sowie die Grünalternative Jugend) gemeinsam organisierten. Stationen waren u.a. der Dr. Karl Lueger-Platz - er wurde wegen Luegers Antisemitismus von uns nach einem jüdischen Opfer der NS-Zeit, Friedl Dicker-Brandeis, umbenannt.
Am Stadtpark erinnerten die Grünen an den gewaltvollen Tod des Afrikaners Cheibani Wague bei einem Polizeieinsatz 2003, in der Postgasse an die Frauenverachtung von militanten LebensschützerInnen, am Morzinplatz an den Terror des Naziregimes gegen Lesben und Schwule - und daran, dass es immer noch kein Mahnmal für die homosexuellen Opfer gibt. Am Deutschmeisterplatz protestierten wir weiters gegen die jährlichen Aufmärsche der Ewiggestrigen, die den 8. Mai nicht als Tag der Befreiung und des Kriegsendes in Europa feiern, sondern den "Tag der totalen Niederlage" begehen.
"Gedenken bedeutet auch Nachdenken über die Gegenwart und Vordenken für die Zukunft", sagte Maria Vassilakou. Wie recht sie hat. Die Erinnerung an die Opfer und die Gräueltaten von damals ist Auftrag für das Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus, gegen Sexismus und Homophobie heute - hier und anderswo auf der Welt.


Herzlichen Dank für diese berührende Veranstaltung.
Allerdings denken nicht alle so darüber:
http://www.kreuz.net/article.8134.html
Kommentiert von: Barbara | 10. November 08 um 09:34 Uhr